{"id":416,"date":"2025-10-05T20:43:27","date_gmt":"2025-10-05T18:43:27","guid":{"rendered":"https:\/\/frommlet-wolfram.de\/?p=416"},"modified":"2025-10-05T21:05:26","modified_gmt":"2025-10-05T19:05:26","slug":"rede-zum-wassermarsch-ravensburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frommlet-wolfram.de\/index.php\/2025\/10\/05\/rede-zum-wassermarsch-ravensburg\/","title":{"rendered":"Rede zum &quot;Wassermarsch&quot; Ravensburg"},"content":{"rendered":"<div class=\"postie-post\">Rede &#8222;Wassermarsch&#8220; vom Altdorfer Wald Ravensburg 3. 10. 2025. Von Wolfram Frommlet<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"postie-post\">Nach Sch\u00e4tzungen der FAO in Rom, der Weltern\u00e4hrungsbeh\u00f6rde, leben 1,7 &#8211; 2 Milliarden Menschen in L\u00e4ndern mit unzureichender Wasserversorgung, 2,7 \u2013 4 Milliarden haben wenigstens einen Monat im Jahr kein Wasser. Alles L\u00e4nder im globalen S\u00fcden. Die zahlen schwanken, weil es in diesen L\u00e4ndern vor allem \u00fcber Hunger, Wasser, Armut etc. keine zuverl\u00e4ssigen Zahlen gibt. Es gibt physische Ursachen \u2013 extremes Klima, das sich im S\u00fcden angesichts der prim\u00e4r durch unsere Lebens- und Wachstumsmodelle rapide verschlechtert; und \u00f6konomische \u2013 d.h. zu wenig Geld f\u00fcr nachhaltige Entwicklung, konkret: nicht f\u00fcr l\u00e4ndliche Entwicklung; nicht f\u00fcr kleinb\u00e4uerliche Landwirtschaft; sondern f\u00fcr Flugh\u00e4fen, Tourismus, Exportkulturen, Billigprodukte.<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"postie-post\">Wasser g\u00e4be es genug \u2013 zb in Afrika \u2013 riesige Fl\u00fcsse wie der Nil, Lipophil, Sambesi, Kongo, Massai Maar, Niger, Jura doch es fehlt an dezentraler Infrastruktur f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung die Fl\u00fcsse werden von ihnen kaum f\u00fcr die Landwirtschaft genutzt. Es gibt riesige Staud\u00e4mme, doch der Strom geht ausschlie\u00dflich in die St\u00e4dte, in die Zulieferindustrien, in Tourismus, in die Bed\u00fcrfnisse der Mittel-, der Oberschicht also kein Verdienst auf dem Land, kein Brunnenbau, keine Mini-Sammelbecken f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung Unsere Klimazerst\u00f6rung f\u00fchrt im globalen S\u00fcden, vor allem auf dem Land, zu Wandflucht. Die Jungen gehen in die St\u00e4dte, dort wird, wenn f\u00fcr die Compounds der Armen \u00fcberhaupt, das Wasser ben\u00f6tigt. Kein Strom f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung, f\u00fcr ein besseres Handwerk, eine minimal elektrifizierte kleinb\u00e4uerliche Landwirtschaft.<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"postie-post\">Die Klimakrise, die ein Psychopath wie Donald Trump leugnet, vernichtet die l\u00e4ndlichen Existenzen im S\u00fcden. der Trockenheit folgt der Hunger, der Wassermangel. Die Klima-Ver\u00e4nderungen nehmen dramatisch zu, also auch Hunger, die B\u00f6den sind m\u00fcde und die Menschen sind es auch. Landflucht bedeutet Massenarbeitslosigkeit in den Millionenst\u00e4dten, die Folge: Wassermangel. Teilweise wird Trinkwasser bereits verkauft. Wasser hat im globalen S\u00fcden vor allem mit der traditionellen, kleinb\u00e4uerlichen Landwirtschaft. zu tun \u2013 und mit uns! Und auch mit dem Neo-Kolonialismus der Chinesen:<\/div>\n<div class=\"postie-post\">\n<strong>BEISPIELE <\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"postie-post\">In Uganda bauen die Chinesen die gr\u00f6\u00dfte Viehzucht und das gr\u00f6\u00dfte Schlachthaus auf den afrikanischen Kontinent auf. Rind- und Schweinefleisch f\u00fcr die Chinesen. Massivhaltung. Damit auch gigantischer Wasserverbrauch um Kampala auf dem Land, auf dem die Kleinbauern umgesiedelt werden. Wem wird das Wasser entzogen werden, denn es wird nicht mehr Wasser geben? Die Mehrheit der ugandischen Bev\u00f6lkerung wird sich kein Fleisch leisten k\u00f6nnen. Ein zweites Beispiel: Brasilien: Etwa 30 Millionen Kleinbauern wurden im Noreste do Brasil ihres Landes beraubt, von ihrem Land vertrieben. in gesamten Globalen S\u00fcden von Nahrungs- und Chemiekonzernen wie Cargill, Unilever, Nestl\u00e9, Nabisco, Bayer-Monsanto, Chiquita, Tyson Fruit, PepsiCo. Die zu Billigl\u00f6hnern degradierten Kleinbauern werden mit Pestiziden und Herbiziden verseucht auf den riesigen Plantagen f\u00fcr Soja, Tapioka, Bananen, Zuckerrohr, Kaffee, Baumwolle und Rinderherden mit unvorstellbarem Wasserbedarf. F\u00fcr die D\u00f6rfer, f\u00fcr die Landlosen, das movimiento sien terra, gibt es kein Wasser mehr. Agrobusiness ohne Kleinbauern, f\u00fcr unsere Schweine, unsere Fleischgier, unsere Avocados und Bananen, unseren S\u00fc\u00dfkram und die Lederstiefelchen. \u00c4hnlichen Exportirrsinn gibt es u.a. in Kenia: gr\u00fcne B\u00f6hnchen f\u00fcr uns zur Winterzeit. Die Exportb\u00f6hnchen saugen das Wasser der Kleinbauern auf. Mahlzeit. In S\u00fcdafrika \u2013 Eco-Erdbeeren, k\u00fcnstlich bew\u00e4ssert, die schwarzen Landarbeiter haben kein Wasser in den ghettohaften Wohnvierteln. Erdbeeren. eingeflogen f\u00fcr uns im Dezember. Saatgutkonzerne wie Bayer Science Crop, Bayer Monsanto und Cargill kaufen sich mit zig Millionen Bestechung und mit politischer Erpressung der US-Regierung Landwirtschaftsministerien und die wenigen Universit\u00e4ts-Institute f\u00fcr Agrarwissenschaften. In indischen Bundesstaaten wie Maharastra begingen und begehen Tausende Kleinbauern, die sich auf die L\u00fcgen der Genkonzerne eingelassen haben, BT Cotton werde ihre Gewinne verdoppeln, Massen-Suizide. Daf\u00fcr h\u00e4tten sie Laborsaatgut ben\u00f6tigt, abgestimmt auf spezielle Kunstd\u00fcnger, Pestizide und s\u00fcndhaft teure Bew\u00e4sserungsanlagen. Die k\u00f6nnen sich Kleinbauern nicht leisten. Und die Situation wird noch schlimmer: Diese Konzerne haben zigtausende Saatgutsorten im S\u00fcden geraubt, wo sie \u00fcber Jahrhunderte eine autonome Versorgung mit Nahrungsmitteln erm\u00f6glichten, wo die Kleinbauern das Saatgut in enormer Vielfalt untereinander tauschten, es selbst z\u00fcchteten und veredelten. Eine sogenannte Entwicklungshilfe, die zig Milliarden in Megaprojekten verbrennt, exemplarisch die sog. Bruderhilfe der Chinesen, treibt diese L\u00e4nder in eine grauenvolle Schuldenkrise.<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"postie-post\">Das hat entsetzliche Folgen f\u00fcr die Agrarwirtschaft: traditionelle Nahrungsmittel, B\u00f6den und Klima angepasst, verschwinden vom Markt \u2013 Yams, S\u00fcsskartoffeln, Tapioka, hunderte Hirsesorten, Sorghum, angepasste Reissorten, Cassava, Bananen, Kokosfr\u00fcchte u.v.a. &#8230;und nun werden auch Agrarprodukte f\u00fcr den Export angebaut, um Devisen damit zu bekommen zur R\u00fcckzahlung der Schulden.<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"postie-post\">Monokulturen mit oft patentierten Pflanzen verdr\u00e4ngen die kleinb\u00e4uerliche Agrarkultur, hunderte Jahre altes Wissen. Was ich aus den vielen L\u00e4ndern, in den ich gearbeitet habe, kenne, sind Monokulturen mit k\u00fcnstlicher Bew\u00e4sserung, mit ungeheuerlichem Wasserbedarf: f\u00fcr unseren exquisiten Geschmack \u2013 Ananas, Mangos, Avocados, Kiwi, Papaya, Kokos, Zitrus, Kakao, Tee, Kaffee \u2013 alles f\u00fcr die knallhart pokernden Supermarktketten wie Tabisco, Sainsbury, WalMart, Carrefour, Leclerc, Aldi. Aber auch Baumwolle f\u00fcr die Billigklamotten, Rindfleisch, W\u00e4lder f\u00fcr IKEA, der Amazonas wird zerfleddert, kann die tropischen Regenf\u00e4lle nicht mehr speichern, die Zahl der Klimafl\u00fcchtlinge steigt ins Gespenstische. Die Fl\u00fcsse im globalen S\u00fcden. haben bedenklich weniger Wasser. Und an den Meeren kommen die traditionellen Fischer mit leeren Booten zur\u00fcck \u2013 weil die schwimmenden Fischfabriken aus Europa, aus Russland und China sich an keine Hoheitsrechte halten und auch in K\u00fcstenn\u00e4he leer fischen, was in ihre Schleppnetze ger\u00e4t. Ich habe alles, wovon ich hier rede, erlebt.<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"postie-post\">Indiens international renommierte Aktivistin gegen Gentech, Vandana Shiva, nennt dies Biopiraterie. Sie sagte, \u201ePatente auf Lebensformen stellen ein Attentat auf den nat\u00fcrlichen Artenreichtum dar, den wir Menschen doch brauchen. Wenn es nach bestimmten Konzernen ginge, w\u00fcrde unsere Landwirtschaft bald auf f\u00fcnf, sechs Sorten reduziert. Die Gentechnik f\u00fchrt zur Versklavung der Bauern\u201c. Deshalb fuhren im Januar 2024 indische Bauern mit 120.000 Traktoren in einem \u201eMarsch auf Delhi\u201c in die indische Hauptstadt. (sch\u00f6ne Parallele zum etwas kleineren Wassermarsch heute vom Altdorfer Wald) Indiens Pr\u00e4sident Modi will die \u00d6ffnung der indischen Landwirtschaft f\u00fcr Konzerne als Teil seines von den USA unterst\u00fctzten Kurses eines indischen Neoliberalismus. Agrobusiness, das Menschen und Erde auslaugt und mit riesigen \u00f6kologischen Sch\u00e4den Wasser vernichtet. Ein hoffnungsvolles Beispiel noch aus Indien, speziell aus Tamil Nadu: wie \u00fcberall, wo Pepsi und CocaCola ihre Niederlassungen aufbauen, haben sie ein Monopol auf Milliarden Hektoliter Trinkwasser. einheimische Getr\u00e4nke hatten keine Chance. Bis in die Siebziger Jahre. Da kam es quasi zum Wasserkrieg. Eine indische Firma brachte ein Getr\u00e4nk mit indischen Zutaten und Geschmack auf den Markt. Sie k\u00e4mpften um das Wasser. Das Getr\u00e4nk Thums UIp wurde ein Riesenerfolg. 1977 verlie\u00df CocaCola Indien. Mit unendlich viel Wasser haben auch EU-Nahrungsexporte nach Indien, vor allem aber nach Afrika zu tun. 40% des EU-Budgets flie\u00dfen in Agrarsubventionen, der Agrarhaushalt ist der mit Abstand gr\u00f6\u00dfte der EU. Mit diesen Milliardensubventionen werden Tomatenmark aus Italien, die Abfallteile von Tiefk\u00fchlh\u00e4hnchen aus Deutschland, Milchpulver aus D\u00e4nemark und Deutschland verbilligt nach Afrika verschifft, um die Tomatenbauern in den Feuchtgebieten, die Gefl\u00fcgelwirtschaft in Ghana und die Milchbauern in Westafrika in den Ruin zu treiben. Die Tomaten f\u00fcr das Tomatenmark werden von illegalen, aber f\u00fcr diesen Zweck in Italien geduldeten afrikanischen Fl\u00fcchtlingen geerntet. Die Milch stammt aus der mit riesigen \u00f6kologischen Sch\u00e4den erzeugten \u00dcberschuss-Produktion auch aus Deutschland. Industrielle Agrarproduktion der EU zerst\u00f6rt kleinb\u00e4uerliche Landwirtschaft in Afrika, aber auch, mit Milchpulverexporten in zahlreiche andere L\u00e4nder des S\u00fcdens, so nach Indien im Rahmen eines Freihandelsabkommens, weitere Millionen kleinb\u00e4uerliche Existenzen im Globalen S\u00fcden. Da geht es auch um unvorstellbare Mengen an Wasser bei uns. Welch ein menschenverachtendes System, das Frau von der Leyen gro\u00dfartig findet und die deutschen Bauernpr\u00e4sidenten auch. Und Herr M\u00fcller von M\u00fcller Milch, der sich mit Alice Weidel bei der \u201eWalk\u00fcre\u201c in Bayreuth ablichten lie\u00df.<\/div>\n<div class=\"postie-post\">Halten wir dagegen.<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"postie-post\">Danke f\u00fcr euer Engagement, f\u00fcr euren Wassermarsch.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede &#8222;Wassermarsch&#8220; vom Altdorfer Wald Ravensburg 3. 10. 2025. Von Wolfram Frommlet Nach Sch\u00e4tzungen der FAO in Rom, der Weltern\u00e4hrungsbeh\u00f6rde, leben 1,7 &#8211; 2 Milliarden Menschen in L\u00e4ndern mit unzureichender Wasserversorgung, 2,7 \u2013 4 Milliarden haben wenigstens einen Monat im Jahr kein Wasser. Alles L\u00e4nder im globalen S\u00fcden. 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